3 Verhaltens-Trigger, die Campaigner aus Film & Fernsehen lernen können.

[fa icon="calendar"] 03.04.17 08:28 / von Philipp Maderthaner

Welche Tricks gibt's um das Engagement in meiner Kampagne zu erhöhen?

Warum tun Menschen, was sie tun? Und wie kann ich das beeinflussen?

Welche Entwicklungen aus den Verhaltenswissenschaften sind für Kampagnen einfach anwendbar?

Mit dem Bildungsfernsehen ist das so eine Sache. Während beim Öffentlich Rechtlichen die Meinungen auseinandergehen, ist man sich bei den großen Hollywood Blockbustern weitestgehend einig: Unterhalten sollen sie. Aber lernen? Lernen kann man dort wohl eher nichts. Muss nicht sein. Im Gegenteil: Was das menschliche Verhalten angeht, liegen durchaus die ein oder andere wertvolle Erkenntnis in den mehr oder weniger anspruchsvollen Streifen.

Hier die Top 3 Verhaltens-Trigger, die Campaigner aus Film & Fernsehen lernen können:

1. Don Corleone, Der Pate

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Es gibt diesen wunderbaren Satz, wo Marlon Brando in seiner Rolle als Don Corleone einen Bittsteller mit einer sanften Handbewegung zu sich winkt und ihm folgenden Satz ins Ohr flüstert: "„Irgendwann, möglicherweise aber auch nie, werde ich dich bitten, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen“. Was in der Verhaltenswissenschaft als das Prinzip der "Reziprozität" seinen Widerhall findet, könnte etwas freimütiger als "Eine Hand wäscht die andere" übersetzt werden. Oder um es etwas biblischer zu sagen "give and you shall receive". Für Kampagnen heißt dies: Konzentration darauf, dem potentiellen Unterstützer oder Kontakt erstmal Nutzen zu stiften, erhöht die Wahrscheinlichkeit unterstützender Aktivität oder Beiträge im Gegenzug. Nutzen kann dabei in Form von wertvollem Premium-Content, exklusiven Zugängen oder aktiver Wertschätzung passieren. (Übrigens auch der Grund, warum sich Freemium-Modelle nach wie vor höchster Beliebtheit erfreuen, Anm.)

 

2. Al Bundy, Eine schrecklich nette Familie

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Zugegeben, Al Bundy ist hier nur stellvertretend für all die Sitcoms, die sich höflich formuliert nicht unbedingt im anspruchsvollen Segment bewegen. Aus gutem Grund bedienen sie sich so genannter "Lachkonserven", also Aufzeichnungen von Lachern, die während der gesamten Serie eingespielt werden. Wer sich schonmal gefragt hat, warum in aller Welt dieses nervige Ritual so breit eingesetzt wird, sei hiermit erlöst: Dahinter steckt eines der mächtigsten verhaltenswissenschaftlichen Prinzipien für Kampagnen. Die soziale Bewährtheit, das Gesetz der Herde. Studien haben erforscht, dass Serien mit eingespieltem Lachen lustiger empfunden werden, als ohne. Das bedeutet es gibt einen Effekt auf unser eigenes Handeln, der davon abhängt was andere tun. Für Kampagnen bedeutet dies ganz klar: Das "erwünschte" Verhalten muss dargestellt und prominent gezeigt werden (z.B. die Top-Supporter). Und generell: Wenn Menschen, wie ich selbst, bereits Teil der Kampagne sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich auch anschließe. Spricht z.B. klar für Supporter-Walls.

 

3. Carl Allen, Der Ja-Sager

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Der frustrierte Kreditberater Carl setzt im Film "Der Ja Sager" seine letzte Hoffnung in ein Motivationsseminar, wo er, eingeschüchtert vom großen Motivations-Guru, öffentlich bekennt und schwört zu allen Gelegenheiten, die sich ihm bieten, nur noch "JA!" zu sagen. Was folgt ist ein turbulentes Auf- und Ab mit Happy End. Viel wichtiger ist, was dahinter steckt: Nämlich das verhaltenswissenschaftliche Prinzip der Konsistenz. Es besagt im Wesentlichen, dass wir uns selbst treu bleiben (wollen). Dies gilt insbesondere, wenn wir uns zu etwas freiwillig, öffentlich und im besten Fall schriftlich bekannt haben. (so funktionieren übrigens auch einige der Nichtraucher-Seminare, Anm.). Für Kampagnen bedeutet dies vor allem eines: Bekenntnisse abholen lohnt sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand bzw. die eigene Anhängerschaft tatsächlich eine bestimmte Handlung setzt oder einen bestimmten Beitrag leistet, steigt, wenn sich die Person in einem ersten Schritt mal nur dazu bekannt hat. Commitment is Power!

 

Conclusio

Menschliches Verhalten ist in der Tat eine komplexe Wissenschaft. Zuletzt hat das Thema "Nudging" (zu Deutsch "anstupsen", Anm.) in den Medien etwas breitere Präsenz erlangt. Nicht zuletzt aufgrund der Anstrengungen der britischen Regierung mit diesem Wissen positiven Einfluss auf bestimmte Verhaltensweisen in der Bevölkerung zu nehmen. Natürlich haftet diesem Thema immer der Hauch von Manipulation an. Am Ende gilt hier der gleiche Grundsatz, wie für jede zwischenmenschliche Kommunikation, jede Form der Werbung oder PR: Wie immer kann Wissen für Gutes und Böses eingesetzt werden. Kommunikation ist ein Werkzeug. Und wie mit jedem Werkzeug, etwa einem Hammer, kann ich Sinnvolles schaffen und bauen oder auch andere (oder mich selbst) verletzen. Die Verantwortung für die Einhaltung ethischer Standards liegt immer beim Nutzer und Anwender der Werkzeuge, den Betreibern von Kampagnen.

 

 Fotocredit "The Godfather": https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Themen: Trigger, Behavioral Science, Engagement, Campaigning

Philipp Maderthaner

Gepostet von Philipp Maderthaner

Philipp Maderthaner ist Gründer und Geschäftsführer des Campaigning Bureau. Er gilt international als ausgewiesener Campaigning Experte und hat dafür den „Rising Star Award“ des US-Magazins Campaigns & Elections erhalten. Im Zentrum steht mit „Movement Campaigning“ eine von ihm entwickelte, einzigartige Erfolgsstrategie, die, inspiriert von US-Grassroots-Bewegungen, aus Betroffenen Beteiligte macht - egal ob am Markt, in der Gesellschaft oder innerhalb der eigenen Organisation. In mehr als 150 Kampagnen hat er diese Expertise in den vergangenen Jahren erfolgreich für nationale und internationale Unternehmen und Organisationen zum Einsatz gebracht.